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Hanno Millesi

NACHRUF o. Univ.-Prof. Dr. Hanno Millesi

Doyen der Plastischen Chirurgie, modernen Mikro,- und Nervenchirurgie

24.3.1927 – 28.4.2017

 

Prof. Millesi wurde am am 24.03.1927 in Villach geboren. Als Schüler hat den zweiten  Weltkrieg erlebt und musste in den letzten beiden Kriegsjahren einrücken. Nach dem Krieg entschied sich der Arztsohn ebenfalls für das Studium der Medizin. Nach Abschluss des Studiums an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck 1951, begann er seine praktische Tätigkeit an der Pathologie im Wilhelminenspital Wien.

Anschließend folgte seine Ausbildung in Allgemeinchirurgie an der 1. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien unter Leopold Schönbauer. Im Laufe seiner allgemeinchirurgischen Tätigkeit entwickelte er sich mit Elisabeth Winkler zu Spezialisten für plastisch-chirurgische Eingriffe, ein Fach, das zu dieser Zeit noch kein selbstständiges chirurgisches Gebiet war. Prof. Millesi war maßgeblich an der Gründung dieses Fachgebietes in Österreich beteiligt.

1967 wurde ihm die Venia legendi verliehen. Seine Habilitationsschrift befasste sich mit der Dupuytren'schen Kontraktur. 1972 wurde er außerordentlicher Universitätsprofessor für plastische und rekonstruktive Chirurgie und erhielt den Eiselsberg-Preis. Am AKH Wien etablierte er den europaweit ersten Replantationsdienst. 1975 wurde er Direktor des Ludwig Boltzmann Institutes für experimentelle plastische Chirurgie. 1980 wurde er Doktor honoris causa der Medizinischen Akademie Wroclaw (Polen) und erhielt die „Golden Medal“ der italienischen Mikrochirurgie. 1982 wurde er zum ordentlichen Universitätsprofessor ernannt und erhielt den Orden eines „Commendatore“ der Republik Italien.

1987 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, 1988 den „Ambrogino d´Oro“ der Stadt Mailand. 1989 gründete er die Österreichische Gesellschaft für Handchirurgie, deren Präsident von 1991 bis 1997 war. 1992 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Er war auch Gründungsmitglied der Sunderland Society und der International Society for Reconstructive Microsurgery, die 1999 mit der zweiten großen internationalen mikrochirurgischen Gesellschaft zur "World Society for Reconstructive Microsurgery" vereint wurde. Er wurde auch zum Ehrenmitglied des Deutschen Nerv Club.

Er emeritierte am 30.09.1995 und wurde im Jänner 1996 für 13 Jahre ärztlicher Direktor der Wiener Privatklinik. In diesem Jahr wurde ihm auch das große Goldene Ehrenzeichen des Landes Kärnten verliehen und im Jahr 2001 der Paracelsus Ring seiner Geburtsstadt Villach überreicht.

Neben vielen fachlichen Ehrungen wurde ihm schließlich im Jahr 2007 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde ihm der Goldene Ehrenring der Wiener Privatklinik und das Goldene Ehrenzeichen der Ärztekammer für Wien verliehen.

Seinen medizinischen Weltruf verdankte Prof. Millesi der von ihm entwickelten Technik der Überbrückung großer Nervendefekte durch die autologe Transplantation von Nerven. Derartige Defekte zu überbrücken hatte man schon längere Zeit versucht. Die Nervenstümpfe wurden jedoch zumeist unter Spannung wieder koaptiert und daher kam es zu unzureichenden klinischen Ergebnissen. Prof. Millesi entwickelte die interfaszikuläre Nerventransplantation, bei welcher die Nervenkoaptation spannungsfrei durchgeführt wurde. Er konnte mit dieser neuen Technik wesentlich bessere klinische Ergebnisse erzielen und errang dafür Weltruhm. Eine ebenso wichtige chirurgische Technik, die von ihm entwickelt wurde, war die mikrochirurgische Neurolyse. Während seiner letzten Jahre setzte er sich mit Gewebedynamik auseinander, welche er vor allem im Rahmen der peripheren Nerven beforschte.

Neben seinen vielen wissenschaftlichen Werken und auch zahlreichen von ihm organisierten Kongressen und Symposien hat er auch ein großes Werk über die Chirurgie der peripheren Nerven geschrieben, welches noch nicht veröffentlicht ist.

Neben seiner Passion für die Nervenchirurgie, Handchirurgie und rekonstruktive Chirurgie und der damit verbundenen Forschung, die Prof. Millesi mit viel Weitsicht und Konsequenz betrieben hat, war sein zweites Steckenpferd die Historie. Er verfügte in Geschichte über ein gigantisches Wissen, welches viele Menschen immer wieder verblüffte.

Besonders zeichnete ihn seine Geduld aus, die für die komplizierten plastischen Operationen notwendig war. Prof. Millesi hat bis zuletzt gearbeitet, gelehrt und geschrieben.

Er war in herausragender Mensch, den viele geschätzt und bewundert haben, ein Doyen, nicht nur in der Nervenchirurgie und plastisch-rekonstruktiven, sowie Handchirurgie.

Prof. Millesi hat viele Menschen in herausragender Weise geprägt.

Univ. Prof. Dr. Robert Schmidhammer
Leiter des Millesi Center für Chirurgie der peripheren Nerven an der Wiener Privatklinik
Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Hausner
Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Lorenz Böhler
ÖGH Generalsekretär
Univ.-Doz. Dr. Markus Gabl
Leiter Handchirurgie der Univ. Klinik für Unfallchirurgie Innsbruck
ÖGH Präsident